Start Geschichte Harald Boesch - Burgherr und Freund

Harald Boesch - Burgherr und Freund

Harald Boesch ist am 18. Jänner 1925 in Wien geboren. Er besuchte nach der Grundschulausbildung das Schottengymnasium in Wien und wurde während der Schulzeit wegen einer ernsten Tuberkuloseerkrankung ausgemustert. Es folgte ein vierjähriger Genesungsaufenthalt in Davos, von wo er 1946 zurückkehrte. Da er keine Papiere besaß wurde er in Wien als Flüchtling (!) behandelt und musste sich wöchentlich bei den Behörden melden.
Das nachfolgend begonnene Studium musste er wegen Übernahme einer familieneigenen Spirituosenerzeugung und der damit verbundenen betrieblichen Belastung abbrechen. Es begann der Eintritt in das erfolgreiche Berufsleben!

Die Burg Strechau
Die Burg wurde vor mehr als 1000 Jahren auf einem gewaltigen Kalkfelsen, der den westlichen Abschluss des Paltentals bildet, errichtet. Sie prägt vor allem das Stadtbild von Rottenmann, der sie ihre östliche Fassadenfront zuwendet und zählt somit, obwohl nicht im Gemeindegebiet gelegen, zu den Wahrzeichen der 1000jährigen Bergstadt.

Dr. Julius Hofmayer, ein Industrieller aus dem Chemiebereich, kaufte am 22. September 1892 die Burg Strechau mit Wald und Weiden im Ausmaß von rund 800 Hektar vom Stift Admont, das den Reinerlös für die dringend notwendige Behebung eines Brandschadens im Stiftsbereich einsetzte.
Dr. Hofmayer rettete damit die Burg vor dem Verfall und verschönerte sie u.a. durch die Errichtung des Brunnens im Hof und das Burgtor. Weiters stattete er die Burg mit Möbeln aus den Epochen der Renaissance, des Barocks und des zeitgenössischen Stils aus.
Hofmayer, ein begeisterter Jäger, entschloss sich jedoch zum Verkauf der Burg, da seine Familie nur wenig Interesse an diesem Besitz zeigte.

Dr. Adolf und Gabrielle Boesch erwarben im Jahr 1906 die Burg Strechau mit den umliegenden land- und forstwirtschaftlichen Flächen und fanden im Waldbesitz und der Viehwirtschaft eine gute Ergänzung zu ihrem im Marchfeld gelegenen Gute Süßenbrunn.
Wolfgang Boesch, der Vater von Harald Boesch, war zu dieser Zeit als Direktor und Betriebsführer der Brauerei Schwechat tätig; seine Mutter Maria entstammte einer gutbürgerlichen Familie aus Wien-Floridsdorf.

Der Familie Boesch ging es beim Kauf des Burgareals vordergründig nicht um die Burg selbst, sondern um die damals noch zur Burg gehörigen land- und forstwirtschaftlichen Flächen. Mit der geplanten und nunmehr umsetzbaren betrieblichen Erweiterung des landwirtschaftlichen Betriebes war es nun möglich, sich in den Bereichen der Vieh- und Forstwirtschaft zu betätigen. Es erfolgte die Modernisierung der Viehhaltung und die Umsetzung zeitgemäßer Strategien bei der Vermarktung der Milchprodukte.

Nach dem Tode des Vaters führte der Onkel von Harald Boesch das Gut Süßenbrunn weiter. Er war ein Schöngeist und Musiker und verlor durch die Übernahme von Bürgschaften bei der Finanzierung von Stummfilmen (der Tonfilm hatte damals, ausgehend von Amerika, bereits den Siegeszug angetreten) das gesamte Vermögen.
Zur Bereinigung des Schuldendienstes vermittelte der Direktor des fordernden Geldinstitutes, der gleichzeitig auch Kurator der Theresianischen Akademie war, den Verkauf der Burg Strechau an die Akademie. Somit kam die Burg im Jahr 1926 in den Besitz dieser Institution.

Die Theresianische Akademie baute die Burg zu einer vornehmen Fremdenpension aus, der finanzielle Erfolg blieb jedoch aus.
Im Jahr 1938 zogen die Nationalsozialisten in die Burg ein. Sie installierten hier eine nationalpolitische Erziehungsanstalt für deutsche Jugendliche, besser unter dem Namen NAPOLA bekannt. Der Schulbetrieb für etwa 80-100 Buben konnte 1942, nach der Durchführung notwendiger Adaptierungsarbeiten (Errichtung einer Wasserleitung, Kläranlage, Heizung, etc.) aufgenommen werden.
Vor dem Einmarsch der russischen Besatzungsmacht in das Paltental wurde die Schule im Frühjahr 1945 geschlossen.
Danach übernahm die englische Besatzungsmacht die Burg und richtete ein Erholungsheim für krankheitsanfällige Kinder ein.
Nach dem Abzug der englischen Truppen übernahm das Land Steiermark die Führung des Erholungsheimes und führte es als Landeskinderheim in Form einer Lungenheilstätte weiter.

Mit der Unterzeichnung des Staatsvertrages im Jahr 1955 kam die Burg Strechau als so genanntes "Deutsches Eigentum" wieder in Besitz der Theresianischen Akademie. Aufgrund der angespannten finanziellen Situation konnten allerdings nur die notwendigsten Erhaltungsarbeiten durchgeführt werden. Weiters wurde zur Begleichung von Verbindlichkeiten und zur Vermeidung größerer Belastungen der zur Liegenschaft gehörige Wald verkauft.
Im Jahr 1978 wurde der Verkauf der gesamten Liegenschaft (Burg und Grundstücke) beschlossen.

Kauf der Burg Strechau
Harald Boesch, der aufgrund familiärer und persönlicher Verbindungen nie den Kontakt zur Burg Strechau und zur vormaligen Verwaltung verloren hatte, trat als einer der Kaufinteressenten für den Erwerb der Burg Strechau auf.
Er konnte letztlich im Jahr 1979 mit der von ihm gegründeten Boesch Liegenschaftsverwaltung, die auf die Burganlage beschränkte Liegenschaft käuflich erwerben. Dieser Kauf war mit der Verpflichtung zur Renovierung und künftigen Erhaltung verbunden. Zu diesem Zeitpunkt war die Burg, bis auf die Kapelle, völlig leergeräumt, das heißt, ohne Einrichtung.

Um die Burg Strechau in einen bewohnbaren und herzeigbaren baulichen Zustand zu bringen, begann Harald Boesch unmittelbar nach der Erledigung aller rechtlichen Formalitäten mit den umfangreichen und aufwändigen Restaurierungs- und Renovierungsarbeiten.
Sie reichten von der Erneuerung des Daches, der Fenster und Fassaden bzw. der Burgmauern bis zur Neugestaltung der Außenanlagen. So wurden beispielsweise in einer eigenen Tischlerwerkstätte, in der bis zu 25 Professionisten und Helfer tätig waren, die Decken und Wände sowie das zugekaufte Mobiliar restauriert.
Erwähnenswert ist auch die Herstellung der kunstvollen Schmiedearbeiten für die Schaffung von Lustern, Gittern, usw. Mit besonderer Liebe und vor allem mit Sachverständnis konnte die aus der Zeit von Abt Urban vom Benedektinerstift Admont stammende Decke des Fassadensaals restauriert werden. So fand man beim Abschlagen des schadhaften Wandverputzes im Festsaal Malereien aus der Zeit der Hoffmanns, die im 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts Eigentümer der Burg waren.

Wertvolle fachliche Unterstützung und Hilfestellung bei der Durchführung der umfangreichen Aktivitäten erhielt der Burgherr von Universitätsprofessor Dr. Friedmund Hueber, der mit seinen Studenten über Monate auf der Burg Forschungsarbeiten betrieb, und von der bekannten Archäologin  Dr. Ulla Steinklauber. Besonders zu erwähnen ist hier auch Hofrat Dr. Friedrich Bouvier, der damalige steirische Landeskonservator, der mit Rat und großem Verständnis zur Verfügung stand.
In diesem Zusammenhang ist auch anzumerken, dass der Burgherr für die baulichen Aktivitäten mit dem "Geramb Dankzeichen für Gutes Bauen" ausgezeichnet wurde. Es wird für außergewöhnliche Leistungen verliehen, die der Erhaltung oder Schaffung einer qualitätsvollen Baukultur dienen.

Nur wer die Möglichkeit hatte, in den Nachkriegsjahren die Burganlage zu betreten, kann einigermaßen abschätzen, was hier an Sanierungs- und Aufbauarbeit geleistet wurde. Desolate Fenster bzw. Fensterflügel, Türen, Decken, Wände und Fußböden, herabfallendes Mauerwerk innen und außen sowie völlig verwilderte Außenanlagen stellten sich den oftmals gefährdeten Besuchern dar.

Die Burg Strechau ist heute mit einer Länge von rund 330m und einer Breite von rund 40m die zweitgrößte Burganlage in der Steiermark und zählt zu den am besten erhaltenen und gepflegten Anlagen ihrer Art. Sie ist aufgrund ihrer kulturhistorischen Bedeutung in die Reihe der wertvollsten und erhaltungswürdigsten Kulturgüter der Region einzuordnen.
Zur Erhaltung des nunmehr guten Bauzustandes sind jährlich weitere Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten durchzuführen. Sie erfordern ein hohes Maß an Sachverständnis, Liebe zum Kulturgut und vor allem den Einsatz hoher finanzieller Mittel.

Kultur- und Tourismuszentrum Burg Strechau
Bereits im Jahr 1902 hatte der damalige Stadtverschönerungs- und Fremdenverkehrsverein in einem Fremdenverkehrsprospekt die Schönheiten einer Wanderung zur Burg Strechau gepriesen. Die Bewohner von Lassing und von den umliegenden Gemeinden wanderten oftmals zur Burg Strechau und betrachteten die Restaurierungsfortschritte sowie die diversen Erneuerungen. Der Kontakt zur Burg wurde daher immer wieder erneuert und gefestigt.

Aber nicht nur für den Tourismus, sondern auch für Kulturveranstaltungen in den Bereichen der Musik, der Literatur, der bildenden Kunst und der Unterhaltung wird die Burg im Einvernehmen und mit freundlicher Zustimmung des Burgherrn genutzt. Industrie- und Gewerbebetriebe, öffentliche Institutionen, wie das Lehr- und Forschungszentrum, Schulen, Vereine, aber auch private Personen nehmen das wunderschöne Ambiente der Burg für ihre regionalen und überregionalen Veranstaltungen, Feste und Feiern, aber auch für Trauungen in einer der beiden Kapellen gerne in Anspruch.

Als besondere Auszeichnung wurde ein Teil der im Jahr 1992 abgehaltenen Landesausstellung in die Burg Strechau verlegt und damit dem Titel "Glaube und Macht" bestens entsprochen. Tausende Besucher strömten im Veranstaltungszeitraum in die Burg und bewunderten nicht nur die gelungene Ausstellung, sondern auch die bestens gepflegten Burganlagen.

Für seine Leistungen um die Erhaltung der Burg Strechau wurde Harald Boesch mehrmals ausgezeichnet.
Unter anderem würdigte die Stadtgemeinde Rottenmann die Verdienste des Burgherrn Harald Boesch und überreichte ihm in Anerkennung seiner außerordentlichen Leistungen um die Erhaltung und Wiederbelebung der Burg am 27. Jänner. 2005 das Goldene Ehrenzeichen der Stadt.
Auch vom Land Steiermark wurde seine Verdienste durch die Verleihung des Goldenen Ehrenzeichens anerkannt.


Harald Boesch und seine vielseitigen Hobbys
Neben seinen umfangreichen Aufgaben für die Erhaltung der Burg beschäftigte sich der Burgherr mit bemerkenswerten Hobbys.
So listete er in jahrelanger penibler Arbeit rund 5000 Bildstöcke in Österreich und auch in den benachbarten Ländern auf. Diese Aufzeichnungen werden derzeit überarbeitet und anschließend der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.
Seit Jahrzehnten kauft er so genannte "Oldtimer-Fahrzeuge" auf. Sie werden repariert und durch den Zukauf allenfalls erforderlicher Bestandteile in aller Welt wieder betriebsbereit gemacht. Diese Sammlung ist nunmehr erfreulicherweise in einem am Burgeingang befindlichen alten Speichergebäude, das eigens für diese Zwecke adaptiert wurde, zu besichtigen.

Viel Freizeit wandte er auch für die Sammlung alter Beile auf. Diese Exponate stellte er einem Museum zur Verfügung.

Im Jahr 1997 wurde vom Burgherrn Harald Boesch die Boesch Liegenschaftsverwaltung aufgelöst und aus familiären und erbrechtlichen Gründen eine Privatstiftung ins Leben gerufen, in der auch das gesamte Vermögen des Burgherrn einfloss. Grund und Ziel dieser Stiftung ist die weitere Erhaltung der Burg Strechau. Der Privatstiftung gehören außer dem Sohn Dr. Wolfgang Boesch, der die Geschäfte führt, noch namhafte Persönlichkeiten aus dem öffentlichen und wirtschaftlichen Leben an.